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Die okkulte Kunst

by Salomo Baal-Shem 2007/09


Eine Erfahrung, die jeder Lehrer eines umfassenden Themengebietes macht, ist die, daß Menschen zu ihm kommen, die bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet mit anderen Lehrern gemacht haben.

An und für sich ist es wunderbar, wenn ein Mensch bereits über einen reichen Erfahrungsschatz verfügt, auf dem er aufbauen kann. Allerdings stellt man fest, daß Schüler mit "Vorkenntnissen" oft langsamer lernen oder größere Schwierigkeiten haben die Kunst zu erlernen als Menschen ohne Vorkenntnisse.

Der Grund für diese Tatsache liegt darin, daß die früheren Erfahrungen einen gewissen prägenden Einfluß hatten und oft fällt es einem Studenten schwer über diese Prägung hinauszuwachsen. Man kann dieses Phänomen sehr gut mit dem Dialekt vergleichen , den man in der Kindheit erlernt hat. Vielen Menschen fällt es schwer ihren Dialekt später abzulegen, und nicht selten beeinflußt er sie sogar wenn sie andere Sprachen erlernen wollen. Wer jedoch zum Beispiel ein professioneller Redner oder Schauspieler von mehr als lokaler Bedeutung werden will, der muß unbedingt lernen dialektfrei zu sprechen.

Wer eine Kunst perfektionieren will, muß bereit sein, seine liebgewonnenen Angewohnheiten (oder Ansichten) aufzugeben. Dies ist in einer okkulten Schule nicht anders. Hier wird die reine Form der Tradition durch das Egregorum und den inneren Kontakt verkörpert. Der inkarnierte Lehrer auf der irdischen Ebene hat dann die Aufgabe die Tradition so unverfälscht wie möglich weiterzugeben. Die wenigsten spirituellen Gruppen und Lehrer verfügen über einen solchen inneren Kontakt und entsprechend können sie die Tradition nicht unverfälscht vermitteln. Eine Analogie dazu ist der Fall einer jungen Frau, die Ballettänzerin werden wollte. Sie hatte bereits drei Jahre Unterricht bei einem "Provinzlehrer". Danach ging sie zu einer professionellen und relativ berühmten Tanzlehrerin. Es hat sie fast noch einmal drei Jahre gekostet um sich die ganzen "schlechten Angewohnheiten" die sie sich bei dem minderqualifizierten Lehrer angewöhnt hatte wieder abzugewöhnen. Walter Ernest Butler beschreibt in einem Lehrbrief an einen seiner Schüler eine ganz ähnliche Erfahrung:

Man muß auch verstehen, daß unterschiedliche Wege unterschiedliche Anforderungen stellen, ebenso wie die deutsche Sprache einen anderen Satzbau und eine andere Sprachmelodie erfordert als Englisch oder Hebräisch. Bei den spirituellen Wegen ist es nicht anders, was für den Yogaschüler förderlich ist, mag für den Schüler der westlichen Mysterien hinderlich sein. Aus diesem Grunde ist es besonders wichtig, sich für einen Weg zu entscheiden und sich voll und ganz auf diesen Weg einzulassen.

Das Problem, das Dion Fortune beschreibt, ist keines, das nur in der spirituellen Arbeit auftaucht, es begegnet uns auch in vielen anderen Künsten und Fertigkeiten. Wer beispielsweise die Selbstverteidigung erlernen will, der tut gut daran, sich für eine Kampfkunst zu entscheiden und ganz auf diese zu konzentrieren, bis er ein Meister dieser Kunst ist. Wenn er gleichzeitig viele verschiedene Kampfkünste erlernen will, dann wird er in jeder davon langsamer lernen und in jeder davon lange ein Anfänger bleiben, schon allein deshalb, weil er für jede davon weniger Übungszeit investieren kann. Er wird in jeder Kampfkunst immer wieder aufs neue Grundstellungen und Grundübungen lernen und so nie zu den fortgeschrittenen Techniken kommen. Außerdem wird die Sache dadurch erschwert, daß die Bedingungen der einzelnen Kampfkünste unterschiedlich sein mögen und was in der einen förderlich ist mag in der anderen hinderlich sein. In einer soll er anfangs lernen fest zu stehen in der andern soll er leichtfüßig sein. In einer werden alle Bewegungen anfangs langsam geübt in der andren geht es anfangs um die Entwicklung von Schnelligkeit und Kraft. Auch lassen sich die erlernten Techniken vielleicht nicht gut kombinieren. Der Wurf der einen Kampfkunst erfordert eine tiefe Stellung, die aber macht die athletischen tänzerischen Bewegungen der anderen Kampfkunst unmöglich. So wird er immer wieder verwirrt und was er sich in der einen angewöhnt hat muß er sich für die andere gleich wieder abgewöhnen, so kommt er nur langsam voran und bleibt immer ein Anfänger. Erst wenn er in einer Methode ein Meister ist, kann er richtig davon profitieren, eine andere Methode zu erlernen und die Unterschiede zu vergleichen.

In der Nähe meiner Geburtsstadt gibt es einen Fahrradweg, der entlang eines Flusses führt. Vergleichen wir den spirituellen Weg mit der Strecke dieses Flusses. Wenn man zur Quelle gelange wollte, dann kann man mit dem Fahrrad den Fahrradweg entlangfahren oder man kann mit einem Schlauchboot auf dem Fluß fahren. Mann kann aber nicht mit dem Fahrrad auf dem Fluß fahren, denn dann würde man untergehen, und ebensowenig kann man mit dem Schlauchboot auf dem Fahrradweg vorrankommen. Auch kann man das Fahrrad nicht mit ins Schlauchboot nehmen, denn die spitzen Pedale des Fahrrades könnten das Schlauchboot beschädigen und zum Kentern bringen. Und wenn wir das aufgeblasene Schlauchboot auf dem Fahrrad mitnehmen wollten, so wäre es zumindest unnötiger Ballast. Wir sehen, daß beide Wege legitime Wege sind, die an dasselbe Ziel führen, und dennoch kann man nicht beide Wege gleichzeitig gehen noch ihre Methoden sinnvoll kombinieren. Wenn man jedoch einen Weg bis zum Ende (oder wenigstens bis zu einem wichtigen Zwischenziel) gegangen ist, dann kann man Vergleiche anstellen und sogar relativ kompetente Aussagen über den anderen Weg machen. Selbst wenn man den Fahrradweg gewählt hat, weiß man vielleicht daß an einem gewissen Punkt gefährliche Stromschnellen warten, die auf dem Wasserweg ein Problem darstellen könnten, auch wenn man die Manöver mit denen diese überwunden werden können, nicht aus eigener Erfahrung kennt.

Grade auf dem okkulten Weg spielt es vor allem für das Erreichen der höheren Ebenen spiritueller Arbeit eine große Rolle, sich von ganzem Herzen für einen Weg zu entscheiden. Die höheren Ebenen und fortgeschritteneren Resultate können nur erreicht werden, wenn man sich auf die "Schwingungsebene" der Kraft hinter der Tradition einstellt und sich in Harmonie mit dem inneren Kontakt der Tradition bringt. Dies geschieht indem man den eigenen "Dialekt" aufgibt und sich uneingeschränkt und mit voller Hingabe auf die Prinzipien der Gruppe und den Gruppengeist (d.h. das Egregorum) einläßt. Nur so werden die höheren Ebenen spiritueller Arbeit erreicht.


Was hindert uns also unseren spirituellen "Dialekt" aufzugeben?

Dieses Problem ist in vielen spirituellen Traditionen bekannt. Die folgende berühmte Zen-Anekdote beschreibt dasselbe Phänomen:

Kein spiritueller Lehrer kann einen Schüler wirkungsvoll unterrichten, der von sich glaubt bereits alles zu wissen.

Die Entwicklung in jeder Kunst durchläuft drei Phasen. Die erste Phase ist die des Anfängers. Der Anfänger erlernt die Grundlagen der Kunst. Er muß viel Zeit aufwenden, um die Grundtechniken zu üben und sich mit den dahinterliegenden Konzepten vertraut zu machen, bis sie ihm in Fleisch und Blut übergehen.

Die zweite Phase ist die des Fortgeschrittenen. Der Student beherrscht die Grundlagen und kann sie mit Eleganz demonstrieren und übt die fortgeschrittenen Techniken der Kunst ein. Wenn er seine Kunst ausübt, ist der Zuschauer von seinem Können beeindruckt. Die Aufgabe des Fortgeschrittenen ist es einen persönlicher Stil zu entwickeln, der seine Individualität ausdrückt. Oft ist dies auch die Phase in der er sich auf einen Bereich der Kunst spezialisiert und ein Experte dieses Spezialgebietes wird.

Die dritte Phase ist die des Meisters. Der Meister hat alle Techniken der Kunst völlig verinnerlicht. Wenn er seine Kunst ausübt ist, scheint es keine Kunst mehr zu sein, sondern es wirkt leicht und natürlich, denn der Meister und die Kunst sind eins. Die Ausübung der Kunst ist nichts anders als ein Ausdruck seines Seins. Es ist kein persönlicher Stil mehr zu erkennen, denn der Meister verkörpert den reinen Geist der Tradition hinter der Kunst. Der wahre Meister ist in allen Bereichen der Kunst zuhause. Um diese Ebene zu erreichen, muß der Student alle persönlichen Neigungen aufgeben und eins mit der Kunst zu werden. Der Meister ist ein Bewahrer der Tradition - mehr noch, er ist eine lebendige Verkörperung der Tradition. (Es ist diese Ebene, auf der die neuen Lehren des Meisters automatisch zu einem Teil der Tradition werden.)

Man hüte sich jedoch anzunehmen, daß wir uns erst, wenn wir weit fortgeschritten sind Gedanken machen sollten, wie wir uns auf die Kunst einstimmen oder nur dann wenn wir vorher andere Lehren studiert haben. Wer sich bereits von Anfang an auf die reine Form der Kunst einläßt, der lernt mit einer Geschwindigkeit, die für seine Mitstudenten manchmal nicht nachvollziehbar ist. Oft handelt es sich um Menschen, welche diese Kunst bereits in früheren Inkarnationen intensiv ausgeübt haben, so daß es ihnen leicht fällt sich auf die Kunst einzulassen, weil sie im Herzen schon damit verbunden sind. Andere Menschen haben in früheren Leben gelernt ihr Ego zurückzustellen, so daß es ihnen nicht so sehr im Weg ist, wenn sie versuchen sich auf die Kunst einzustellen. Auch diese Menschen lernen schneller als andere.

Letzten Endes ist es immer unser Ego, welches uns im Weg steht. Wir haben liebgewonnene Angewohnheiten. Persönliche Neigungen und all das was uns daran hindert ein ungehinderter "leerer" Kanal für den Geist der Tradition zu werden durch den sich die spirituelle Essenz hinter der Tradition frei ausdrücken kann.

In der okkulten Kunst ist dies nicht minder wichtig als in jeder anderen Kunst, vielleicht sogar noch mehr... Lernen wir unseren magischen Dialekt zu verlieren und werden wir wahre Adepten der magischen Kunst und lebendige Verkörperungen der okkulten Tradition.



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1
Walter E. Butler, Das ist Magie, Erster Teil, Kapitel 4, S. 41-42

2
Dion Fortune, Die mystische Kabbala, Kap.2, Seite 18





Wir sind eine international anerkannte magische Loge und bieten eine seriöse magische Ausbildung basierend auf den Prinzipien der Qabbalah (Kabbalah, Kabbala, Kabala), der hermetischen Magie und den westlichen Mysterien. Magieausbildung in einer authentischen Mysterienschule (oder magischen Schule, bzw. magischen Orden) der westlichen Mysterientradition ist die spirituelle und mystische Vorbereitung auf die Einweihung (Initiation) des Mysterienschülers. Wie jede wahre magische Loge oder magische Schule und jeder wahre hermetische Orden nehmen wir die Magierausbildung sehr ernst. Wir stehen in der spirituellen Tradition der Rosenkreuzer und lehren nicht nur die antike Ritualmagie, die ägyptische Magie, die keltische Magie und die griechischen Mysterien, sondern auch die klassischen Säulen der Hermetik wie Astrologie und Tarot.